03.05.2016

Da ich kein aktives Interesse mehr habe, meine Gesundheit aufrechtzuerhalten, habe ich heute meine erste Zigarette geraucht. Blonde Gauloises. Die Meisten machen das ja aus Gruppendruck. Ich mehr aus Spaß an der Selbstzerstörung. Und wenn ich sage meine erste Zigarette, meine ich natürlich die Erste, die ich richtig rauchte. Also die Dritte.

Ich muss aber zugeben dass ein Effekt durchaus vorhanden ist. Der Geschmack auf der Zunge ist widerlich und suggeriert, man würde den Rauch mit runterschlucken, was erklärt warum Raucher notorische Spucker sind. Allerdings bin ich auch ruhiger, weniger nervös geworden. Meine Gedanken rasen weniger stark, ich fühle mich „normaler“. Weniger aufgeregt, besorgt oder empfindlich. Wenn dass der Effekt des Rauchens ist, kann ich seine Popularität nachvollziehen. Kann aber auch alles nur Einbildung sein. Wir werden sehen.

 

Der Versuch meiner Re-Integration in irgendeine soziale Gemeinschaft war ursprünglich mit ein Grund für meine Entscheidung, in meinem für dieses Vorhaben eher fortgeschrittenem Alter noch zu studieren. Viele berichten, die Studienzeit sei die Zeit ihres Lebens, und Studenten generell die aufgeschlossenste Submenge der Gesellschaft, die man finden könne, weswegen ich hoffte, zumindest dort Anschluss an eine Gruppe zu finden die bereit wäre, einen exzentrischen Außenseite wie mich in Ihrer Mitte zu integrieren, nachdem ich in Schul- Ausbildungs- und Arbeitszeiten damit schon gescheitert war. Ich denke, es ist angebracht, dieses Vorhaben nun auch in diese Reihe mit anzufügen. Obwohl ich schon beim Kennenlerngrillen zur WG einiger Komillitonen eingeladen wurde, ein paar pseudo-tiefsinnige Animes zu beschauen und ich nicht sagen kann, dass sie sich nicht auch in der Folgezeit redlich bemüht hatten, sich mir gegenüber mit Einladungen zu Kaffee und Kuchen nett zu verhalten. Was meinem Vehalten, Kleinigkeiten überzubewerten aber keinen Abbruch tat. Oft empfand ich recht nebensächliche Bemerkungen tief verletzend, und obwohl ich um meine Überreaktion darum weiß, und mit Rationalität dagegen zu steuern versuchte, schätze ich, kann nichts über das Verhalten und die Gesichtsausdrücke hinwegtäuschen die man hat, wenn einem aufgrund unterdrückter Verletztheit der Magen drückt. Sicher lag ich mit der Einschätzung falsch, aber schon bald bekam ich das Gefühl, dass sie auf mich herabblickten. Dementsprechend fing ich an, sie zu meiden. Im darauffolgendem Semester sprachen wir schon kein Wort mehr miteinander.

Die einzige Person, zu der ich jetzt noch so etwas wie regelmäßigen Kontakt habe, ist ein Mädchen mit ähnlich autistischen Anwandlungen wie ich, mit der ich aber aufgrund ihrer wesentlich unausgereiften Lebenserfahrung kaum eine gemeinsame Gesprächsbasis finde. Mein einziger Antrieb ist nun nur noch das Studium mit möglichst guten Ergebnissen abzuschließen. Was ich aber danach mache, weiß ich noch nicht. Ich fand das Arbeitsleben davor schon extrem ermüdend, und die Vorstellung, mehrere Lebensdekaden hinter einem Schreibtisch abzuhocken, entsetzlich. Ich kann nur hoffen die Qualifikation wird mir eine bessere Anstellung verpassen als meine Letzten.

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03.05.2016

Ein Gedanke zu “03.05.2016

  1. Gwenny schreibt:

    Hm… Als jemand, der gern in die Vergangenheit zurückreisen würde, um seinem jüngeren Ich die erste Kippe aus der Hand zu schlagen, finde ich es natürlich wenig begeisternd, wenn Leute bekanntgeben, dass sie mit dem Rauchen angefangen haben, aber da du es ja zu dem Zweck tust, dir die Gesundheit zu versauen, gibt es schließlich keine Gründe, die ich hier anführen könnte, damit du dir das aus dem Kopf schlägst. Ich sage also einfach nichts und ziehe lediglich missbilligend eine Augenbraue hoch (Nur damit du es weißt) 😉

    Raucher sind notorische Spucker? Ich kenne keinen einzigen Raucher, der „spuckt“ und hab es selbst auch nie getan. Die paar, die ich dabei beobachten durfte, waren dumme Jugendliche, die dermaßen viel geraucht haben, dass mir schon vom Zusehen schlecht wurde (Und das zu einer Zeit, in der ich selbst noch auf meine 20 Zigaretten am Tag kam). Also: Ich glaube, dass Raucher ständig rumspucken ist ein Mythos! 😛

    Am Anfang knallt das Nikotin natürlich noch ordentlich rein, es ist also gut möglich, dass die Ruhe vom Rauchen kommt. Das hört aber relativ schnell auf, wenn man tatsächlich regelmäßig (also täglich) raucht. Dementsprechend wäre es vielleicht klüger zum Gelegenheitsraucher zu werden^^

    Ob Studenten besonders aufgeschlossen sind, kann ich nicht beurteilen. Ich habe selbst nicht studiert. Zwar kenne ich einige ehemalige Studenten und eine paar wenige Noch-Studenten, ein signifikanter Unterschied zu Nicht-Studenten ist mir allerdings nicht aufgefallen.

    Dass du es nicht geschafft hast, Anschluss an deine Komillitonen zu finden, tut mir leid. Ich stelle mir das wirklich sehr schlimm vor bereits von Kleinigkeiten tief verletzt werden zu können, dabei rational zu wissen, dass das Mumpitz ist, aber nichts dagegen tun zu können. Ich habe das Glück, dass mich die Verwandschaft meines Vaters schon sehr früh sehr abgehärtet hat, dadurch dass sie an allem, was ich tat oder sagte etwas auszusetzen hatten *chrmchrm*
    Hast du schonmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass sie nicht auf dich herabgeblickt, sondern dein Verhalten einfach falsch interpretiert haben? Unterdrückte Verletztheit und damit einhergehende Wortkargheit kann schnell mit Arroganz verwechselt werden. Ich weiß wovon ich spreche… Ich hielt Helge 3 Jahre lang für einen arroganten Blödmann, dabei war er gegenüber Menschen, die er nicht gut kannte, einfach nur wortkarg.
    Ich mutiere zur Quasselstrippe, wenn ich jemanden mag und trage meine Begeisterung dann auch gern sehr intensiv nach außen. Dabei vergesse ich zwischendurch, dass es anderen Menschen nicht so geht und interpretiere es dann gerne als Ablehnung, wenn mein Gegenüber nicht genauso flummiballartig durch die Gegend hüpft (im übertragenen Sinn. Ich springe dann nicht durch den Raum oder so… Jedenfalls schon ein paar Jahre nicht mehr).

    Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute für dein Studium und das, was danach kommt. Wenn du einfach mal reden möchtest, weißt du ja, wo du mich findest 🙂

    Jetzt geh ich noch eine rauchen und dann krieche ich in mein Bett. Mein Rücken bringt mich um (Den willst du nicht zufällig haben? Er brächte dich auf deinem Weg zur Selbstzerstörung jedenfalls schonmal ein paar Schritte weiter.

    Streich das. Der war doof und nicht lustig…) Gute Nacht! 🙂

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