Networking – Beziehungen schaden nur dem, der keine hat

Networking. Wenn es eine Sache gäbe, die ich aus der globalen Requirement-List für die Chance auf Erfolg in einer Karriere für immer zerstören könnte, wäre es Networking.

Wenn Menschen „networken“, dann bedeutet das, sie unterhalten sich über Themen, von denen sie keine Ahnung haben, aber weil sie das in der Gruppe tun, wenigstens professionell. Sie akquirieren Talente für ihre Projekte mit oberflächlichen, hübschen Bildern, überzeugenden Ansprachen und Versprechen auf Erfolge. Auf der Strecke bleiben deren eigene Projekte oder aber Menschen, die ein vielversprechenderes Projekt betreiben, aber sich nicht eloquent genug auszudrücken vermögen oder monatlich hunderte von Daddy-€ für Garderoben ausgeben können, die erfolgreich Eindruck vermitteln zu ebenjener Gruppe zu gehören, die gerade am lautesten „ICH BIN WER“ schreit (Im Moment übrigens gerade Hipster.). Statt Ehrlichkeit motiviert networking zu Oberflächlichkeit und Unwahrheit. Was Networker wirklich über eine Person denken erfährt man nur, wenn sie sich hinter dessen Rücken über sie unterhalten. Im Grunde ist networking die adulte Version des Kindergartens, von dem man glaubte, ihm mit dem Erwachsenwerden endgültig entkommen zu sein.

Während der Zeit meines Studiums habe ich die negativen Konsequenzen des Networkings anderer Leute bereits selber kennenlernen dürfen. Bei Projektpräsentationen mit Chance auf Vermarktung werden sich Konkurrenzprojekte gar nicht erst angesehen, oder nur für ein paar Sekunden mit dem Auge drübergeglitten, um der formalen Verantwortung gerecht zu werden. Dozenten oder Professoren, die diese Veranstaltung organisierten, partizipierten an dieser Vetternwirtschaft selber, statt zu versuchen, sie zu unterbinden. Netzwerke werden geradezu schamlos vor den Augen aller Anderen zelebriert. Überflüssig zu erwähnen, dass dies der Motivation aller schadet.

Wer networkt ist nicht kompetent. Networker haben nur ein Talent sympathischer und vielversprechender zu wirken als Andere. Im gewissem Sinne ist das eine selbsterfüllende Prophezeiung. Es ist eine Kenntnis, so alt wie die Menschheit: Wer erfolgreich erscheint, bekommt mehr Chancen, sich auf die Probe zu stellen und zu lernen, und ist ergo auch erfolgreicher. Ich habe nur immer gehofft, gesellschaftlich würden wir uns bemühen, diese ungerechten Vorgänge zu zerstören. Stattdessen werden sie gefördert wie nie zuvor.

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Networking – Beziehungen schaden nur dem, der keine hat

Wunderschön II

Meiner einzigen Leserin hier möchte ich natürlich auch nicht vorenthalten, welche Musik ich besonders betörend finde. Das hier ist ein Beispiel für so ein Stück, dass einen in eine wunderbare Reise voller Melancholie, Nostalgie und Reue mitnimmt, mit einem schönen Höhepunkt in der Mitte:

Wunderschön II

03.05.2016

Da ich kein aktives Interesse mehr habe, meine Gesundheit aufrechtzuerhalten, habe ich heute meine erste Zigarette geraucht. Blonde Gauloises. Die Meisten machen das ja aus Gruppendruck. Ich mehr aus Spaß an der Selbstzerstörung. Und wenn ich sage meine erste Zigarette, meine ich natürlich die Erste, die ich richtig rauchte. Also die Dritte.

Ich muss aber zugeben dass ein Effekt durchaus vorhanden ist. Der Geschmack auf der Zunge ist widerlich und suggeriert, man würde den Rauch mit runterschlucken, was erklärt warum Raucher notorische Spucker sind. Allerdings bin ich auch ruhiger, weniger nervös geworden. Meine Gedanken rasen weniger stark, ich fühle mich „normaler“. Weniger aufgeregt, besorgt oder empfindlich. Wenn dass der Effekt des Rauchens ist, kann ich seine Popularität nachvollziehen. Kann aber auch alles nur Einbildung sein. Wir werden sehen.

 

Der Versuch meiner Re-Integration in irgendeine soziale Gemeinschaft war ursprünglich mit ein Grund für meine Entscheidung, in meinem für dieses Vorhaben eher fortgeschrittenem Alter noch zu studieren. Viele berichten, die Studienzeit sei die Zeit ihres Lebens, und Studenten generell die aufgeschlossenste Submenge der Gesellschaft, die man finden könne, weswegen ich hoffte, zumindest dort Anschluss an eine Gruppe zu finden die bereit wäre, einen exzentrischen Außenseite wie mich in Ihrer Mitte zu integrieren, nachdem ich in Schul- Ausbildungs- und Arbeitszeiten damit schon gescheitert war. Ich denke, es ist angebracht, dieses Vorhaben nun auch in diese Reihe mit anzufügen. Obwohl ich schon beim Kennenlerngrillen zur WG einiger Komillitonen eingeladen wurde, ein paar pseudo-tiefsinnige Animes zu beschauen und ich nicht sagen kann, dass sie sich nicht auch in der Folgezeit redlich bemüht hatten, sich mir gegenüber mit Einladungen zu Kaffee und Kuchen nett zu verhalten. Was meinem Vehalten, Kleinigkeiten überzubewerten aber keinen Abbruch tat. Oft empfand ich recht nebensächliche Bemerkungen tief verletzend, und obwohl ich um meine Überreaktion darum weiß, und mit Rationalität dagegen zu steuern versuchte, schätze ich, kann nichts über das Verhalten und die Gesichtsausdrücke hinwegtäuschen die man hat, wenn einem aufgrund unterdrückter Verletztheit der Magen drückt. Sicher lag ich mit der Einschätzung falsch, aber schon bald bekam ich das Gefühl, dass sie auf mich herabblickten. Dementsprechend fing ich an, sie zu meiden. Im darauffolgendem Semester sprachen wir schon kein Wort mehr miteinander.

Die einzige Person, zu der ich jetzt noch so etwas wie regelmäßigen Kontakt habe, ist ein Mädchen mit ähnlich autistischen Anwandlungen wie ich, mit der ich aber aufgrund ihrer wesentlich unausgereiften Lebenserfahrung kaum eine gemeinsame Gesprächsbasis finde. Mein einziger Antrieb ist nun nur noch das Studium mit möglichst guten Ergebnissen abzuschließen. Was ich aber danach mache, weiß ich noch nicht. Ich fand das Arbeitsleben davor schon extrem ermüdend, und die Vorstellung, mehrere Lebensdekaden hinter einem Schreibtisch abzuhocken, entsetzlich. Ich kann nur hoffen die Qualifikation wird mir eine bessere Anstellung verpassen als meine Letzten.

03.05.2016

Geistige Brandstifter

Seit der Flüchtlingskrise macht die Phrase der „Geistigen Brandstifter“ die Runde. Damit gemeint sind im wesentlichen Meinungen über Flüchtlinge, die als Rechts bzw. Rechtsextrem einzustufen sind.

Für jeden objektiv und rationalen Menschen sollte klar sein, wie manipulierend dieser Begriff ist. Brandstifter zielt deutlich darauf ab, man könne mit gewissen Informationen oder Einflüssen den Geist eines Menschen „verbrennen“, also auf die Irre führen, vergiften, etc. Das offensichtliche Problem damit ist natürlich die Einordnung von Quellen in problematische, also brandstiftende, und unproblematische, gute Kategorien.

Ein Mensch, der sich wirklich für die Wahrheit interessiert, informiert sich aus allen Quellen unvoreingenommen und gleicht diese Informationen ab. Wer eine Botschaft nicht akzeptiert oder nicht auf Wahrheitsgehalt untersucht, weil ihm der Botschafter nicht gefällt, ist voreingeommen und vorurteilsbehaftet.

Einer der letzten Beispiele dafür, wie sich eine solche Einstellung auswirkt, war die letzte Hetz-Kampagne, gegen Roosh, einen Pick-up-Artist, der eine für Einige ihren Intellekt überfordernden Witz riss, indem er Konferenzen zur Legalisierung von Vergewaltigung und Übernahme der Weltherrschaft veranstalten wollte. Wie witzig man das findet kann jeder selbst entscheiden. Problematisch ist, wie schwierig es ist, Menschen dazu zu bringen sich selbst davon überzeugen dass dieser Vorschlag satirisch/ironisch gemeint war, indem sie kaum mehr als 10 Minuten investierten müssen, einen Blogartikel zu lesen. Das ging natürlich gar nicht, denn den Blog des Feindes zu lesen ist ja geistige Brandstiftung.

Ich weiß nicht welche Vorstellung diese Menschen von den Funktionen der Informationsverarbeitung ihres Gehirnes haben. Ich übernehme nicht wildfremde Texte als Teil meines Verhaltens nur, weil ich sie einmal gelesen und auf Informationsgehalt untersucht habe. Ironisch ist, wie sehr diese Gesinnung jener Diktatoren gleicht, die mit der Begründung der Erhaltung eines gesunden Volksgeistes kritische oder ausländische Texte verbieten. Ich bezweifle aber, dass ihnen diese Ähnlichkeit bewusst ist.

 

Die einzige geistige Brandstiftung ist, den Begriff der „Geistigen Brandstiftung“ erfolgreich in die politischen und sozialen Debatten gebracht zu haben.

Geistige Brandstifter

Schlafmangel gegen Menschenhass

Wer, wie ich, unter einer gewissen ungewollten Misantrophie leidet, die ihm die Sozialisierung erschwert, sich aber, wie ich, unfähig sieht, die negativen Gedanken über die Menschen und die Welt im Zaum zu halten, könnte mal versuchen, weniger zu schlafen. So ca 3-4 Stunden pro Nacht maximal für die Zeiträume, in denen man sozial funktionieren will oder muss. Ich weiß nicht warum, aber ich funktioniere sozial dann besser, finde die doofen Witze der anderen lustig, kann Small-Talk führen, mir nicht einreden, dass hinter meinem Rücken jeder über mich schlecht reden würde, und unter Müdigkeitserscheinungen leide ich an den Tagen auch nicht wirklich, sofern ich den Schlaf an den Wochenenden nachhole und die Zeit viele soziale Kontakte erfordert oder mit sich bringt. Nur für Tage, die man voraussichtlich alleine verbringen wird empfehle ich das mit Nachdruck nicht. Die werden sonst sehr lang.

Schlafmangel gegen Menschenhass

Schizophren

In letzter Zeit fällt es mir extrem schwer meine Gedanken zu stabilisieren. Oft schweife ich in völlig spontane und willkürliche Was-Wäre-Wenn-Szenarien ab oder überanalysiere geradezu zwanghaft vergangene Ereignisse, die ich als entscheidend für mein heutiges Leben empfinde. Mein Standpunkt gegenüber bestimmten Personen ändert sich beinahe täglich mehrmals von Abscheu über Sympathie zu Besessenheit. Auch wenn ich professionell meinen Professoren und Arbeitgebern inhaltlich meist folgen und zufriedenstellende Leistungen abgeben kann, versage ich völlig, meine Emotionen mit ähnlich methodischen Vorgehen in den Griff zu kriegen. Meinen Mitmenschen stelle ich dabei vor Erwartungen, die sie per se gar nicht erfüllen können. So habe ich eine Abscheu davor, auf andere Menschen zuzugehen, da ich dies als Zeichen meiner Schwäche betrachte, nicht Alleine klar zu kommen, und aktiv etwas von Anderen suche, was ich nicht habe. Bemüht sich aber ein Mensch darum, meine Gesellschaft zu suchen, unterstelle ich oft, dies nur zum Zwecke zu tun, um etwas von mir zu bekommen.

Obwohl ich mir dieser paradoxen Stellung bewusst bin, sehe ich mich außer stande diesen automatisch ablaufenden Gedankengang anzuhalten.

Das war nicht immer so, und ich frage mich oft und lange, was mich so gemacht hat, und ob ich wirklich eine Chance hatte, das zu verhindern.

Schizophren